Stand: 7. Oktober 2026
Anthropic hat Claude Haiku 5.5 am 7. Oktober 2026 veröffentlicht. Das neue kleine Claude-Modell richtet sich vor allem an hochvolumige und latenzkritische Aufgaben wie Klassifizierung, Extraktion, Routing, Zusammenfassungen und Subagent-Workloads. 12
Die wichtigsten Eckdaten: 1 Million Tokens Kontext, bis zu 128.000 reguläre Output-Tokens, Adaptive Thinking und API-Preise ab $0,10 pro Million Input-Tokens sowie $0,50 pro Million Output-Tokens. Die offizielle API-Modell-ID lautet claude-haiku-5-5. 234
Claude Haiku 5.5 ist wesentlich günstiger als Haiku 4.5 und gleichzeitig deutlich stärker ausgestattet. Die niedrigen $0,10/$0,50-Preise gelten allerdings nur für Prompts bis einschließlich 100.000 Tokens. Bei längeren Prompts greift eine höhere Preisstufe.
Claude Haiku 5.5 auf einen Blick
| Merkmal | Claude Haiku 5.5 |
|---|---|
| Veröffentlichung | 7. Oktober 2026 |
| Claude-API-ID | claude-haiku-5-5 |
| Kontextfenster | 1.000.000 Tokens |
| Max. regulärer Output | 128.000 Tokens |
| Batch-Output | bis zu 300.000 Tokens, Beta |
| Thinking | Adaptive Thinking |
| Standard-Effort | medium |
| Input bis 100K Prompt-Tokens | $0,10 / MTok |
| Output bis 100K Prompt-Tokens | $0,50 / MTok |
| Input über 100K Prompt-Tokens | $0,50 / MTok |
| Output über 100K Prompt-Tokens | $2,50 / MTok |
| Cache Read bis 100K | $0,01 / MTok |
| Batch API | 50 % Rabatt auf Input und Output |
| Wissens-Cutoff | Juni 2026 |
Die größte Änderung ist der Preis
Claude Haiku 4.5 kostete laut Anthropic $1 pro Million Input-Tokens und $5 pro Million Output-Tokens. Haiku 5.5 reduziert diese Listenpreise bei Prompts bis 100.000 Tokens auf $0,10 Input und $0,50 Output. 4
Rein nominal entspricht das einer Preissenkung von 90 Prozent pro Token.
Beispielrechnung: 5 Millionen Input + 1 Million Output
Für einen Workload mit insgesamt fünf Millionen Input-Tokens und einer Million Output-Tokens, bei dem jede Anfrage unter 100.000 Prompt-Tokens bleibt:
- Haiku 4.5: 5 × $1 + 1 × $5 = $10
- Haiku 5.5: 5 × $0,10 + 1 × $0,50 = $1
Das ist ein nomineller Unterschied von 90 Prozent.
Anthropic selbst spricht für typische Aufgaben von ungefähr 75 Prozent niedrigeren Laufkosten gegenüber Haiku 4.5. Diese Angabe ist plausibel niedriger als die reine Tokenpreis-Differenz, weil Haiku 5.5 einen neueren Tokenizer verwendet und identischer Text laut Dokumentation ungefähr 30 Prozent mehr Tokens erzeugen kann als bei Haiku 4.5. 13
Für echte Kostenvergleiche sollte deshalb Cost per Successful Task statt des bloßen Listenpreises pro Million Tokens gemessen werden.
Zwei Preisstufen statt eines einheitlichen Haiku-Preises
Preisprüfung 9. Oktober 2026: Anthropics API-Preistabelle nennt bis 100K Prompt-Tokens 0,125 USD pro 1 Mio. 5-Minuten-Cache-Writes, 0,20 USD für 1-Stunden-Writes und 0,01 USD für Cache-Reads. Über 100K steigen diese Werte auf 0,625 / 1,00 / 0,05 USD. USD-API-Preise sind keine garantierten deutschen EUR-Brutto-Endpreise.
Die günstigen $0,10/$0,50-Preise gelten nur, solange der Prompt höchstens 100.000 Tokens enthält.
Bei längeren Prompts steigt der Preis auf: 4
- $0,50 / MTok Input
- $2,50 / MTok Output
- $0,05 / MTok Cache Read
Das ist für Long-Context-Anwendungen entscheidend. Haiku 5.5 bietet zwar ein Kontextfenster von einer Million Tokens, aber ein 500K-Prompt wird nicht zum gleichen Preis abgerechnet wie ein kleiner 20K-Prompt.
Kontextfenster: 200K werden zu 1M
Das Kontextfenster wächst gegenüber Haiku 4.5 von 200.000 auf 1.000.000 Tokens – also auf das Fünffache. Gleichzeitig verdoppelt sich der reguläre maximale Output von 64K auf 128K Tokens. 23
Diese Kombination macht Haiku 5.5 besonders interessant für:
- große Dokumente,
- Retrieval- und RAG-Systeme,
- Code-Repositories,
- lange Agenten-Historien,
- Kontextkomprimierung,
- große Mengen wiederkehrender Daten.
Die Batch API kann laut Dokumentation in einer Beta-Konfiguration sogar bis zu 300K Output-Tokens unterstützen.
Adaptive Thinking kommt zu Haiku
Haiku 5.5 unterstützt Anthropics aktuelles Adaptive Thinking. Standardmäßig verwendet das Modell den Effort-Level medium. 35
Statt für jeden Prompt ein fixes Reasoning-Budget festzulegen, kann das Modell abhängig von der Aufgabe mehr oder weniger Denkaufwand verwenden. Das ist besonders interessant für Agentensysteme: einfache Klassifizierungen benötigen wenig Reasoning, während schwierigere Tool- oder Coding-Schritte mehr Rechenarbeit bekommen können.
Für Migrationen ist das relevant, weil Anwendungen, die bei älteren Claude-Versionen manuelles Extended Thinking oder budget_tokens voraussetzen, angepasst werden müssen.
Haiku 5.5 wird für High-Volume-Agenten positioniert
Anthropic beschreibt Haiku 5.5 ausdrücklich als Modell für high-volume, latency-sensitive tasks. Dazu gehören unter anderem: 1
- Klassifizierung
- Extraktion
- Routing
- Zusammenfassung
- Datenbankabfragen
- Live Support
- In-App-Assistenten
- Voice Agents
- Kontextkomprimierung
- Subagent-Aufgaben
Das ist strategisch wichtiger als die Frage, ob Haiku 5.5 in jedem Benchmark Sonnet erreicht. Ein günstiger Agent-Worker muss nicht alle komplexen Aufgaben lösen. Er muss möglichst viele einfache bis mittlere Aufgaben zuverlässig und kosteneffizient abarbeiten und schwierige Fälle an ein stärkeres Modell eskalieren.
Benchmarks: großer Sprung, aber Launch-Zahlen richtig einordnen
Anthropic veröffentlicht zum Launch deutliche Verbesserungen gegenüber Haiku 4.5. Zwei besonders auffällige Werte sind: 1
| Benchmark | Haiku 5.5 | Haiku 4.5 |
|---|---|---|
| OSWorld 2.1, ausgewiesenes Offline-Subset | 72,4 % | 15,7 % |
| Terminal-Bench 4.0 | 39,2 % | 0,0 % |
Diese Zahlen sprechen für einen großen Fortschritt bei Computer Use und agentischem Coding. Sie sollten am Veröffentlichungstag trotzdem nicht als endgültiges unabhängiges Urteil behandelt werden.
Die Benchmarks selbst stammen aus extern entwickelten Evaluationssystemen; die hier ausgewiesenen Haiku-5.5-Ergebnisse werden jedoch zum Launch primär von Anthropic kommuniziert. Umfangreiche unabhängige Reruns auf identischen Einstellungen fehlen unmittelbar nach Veröffentlichung naturgemäß noch.
Was diese Zahlen noch nicht beantworten
Synthetische Benchmarkwerte sagen wenig darüber aus:
- wie viele Tool Calls eine Aufgabe benötigt,
- wie oft ein Agent Schleifen produziert,
- wie stabil lange Runs sind,
- wie hoch die reale Tokens-per-Second-Rate ist,
- wie gut Prompt Caching in deinem konkreten Workflow greift,
- wie häufig ein stärkeres Modell als Fallback benötigt wird,
- was eine tatsächlich gelöste Aufgabe am Ende kostet.
Für Agentensysteme ist daher Cost per Successful Task die wichtigere Zielgröße.
Prompt Caching kann extrem günstig werden
Bei kleinen Prompts kostet ein Cache Read nur $0,01 pro Million Tokens. Bei wiederkehrenden Kontextblöcken kann das einen erheblichen Unterschied machen. 4
Typische Kandidaten sind:
- große Systemprompts,
- Projektregeln,
- statische Dokumentation,
- wiederkehrende Repository-Kontexte,
- lange Agent-Grundkontexte.
Für Anwendungen mit hohem Cache-Hit-Anteil kann der effektive Inputpreis dadurch weit unter dem regulären Preis liegen.
Migration von Haiku 4.5: mehr als ein Tausch der Modell-ID
Beim Wechsel auf Haiku 5.5 sollten bestehende Integrationen getestet werden.
Anthropic weist unter anderem auf folgende Änderungen hin: 5
- Modell-ID auf
claude-haiku-5-5ändern. - Manuelles Extended Thinking auf Adaptive Thinking umstellen.
- Nicht unterstützte Sampling-Parameter entfernen.
- Assistant Prefill nicht voraussetzen.
- Antwortblöcke robuster parsen.
- Computer-Use-Toolsets prüfen.
- Tokenlimits und Kosten wegen des neuen Tokenizers neu messen.
Gerade der letzte Punkt ist für Kosten-Dashboards relevant: eine Anwendung, die Tokenmengen anhand von Haiku-4.5-Verhältnissen schätzt, kann bei Haiku 5.5 systematisch danebenliegen.
Wo ist Claude Haiku 5.5 verfügbar?
Anthropic führt das Modell für: 2
- Claude Platform
- Amazon Bedrock
- Google Cloud
- Microsoft Foundry
- Claude Platform on AWS
Die Modellbezeichner unterscheiden sich teilweise je nach Plattform. In der Claude API lautet die ID claude-haiku-5-5.
Da es sich um einen Launch vom 7. Oktober 2026 handelt, können einzelne Partnerseiten oder SDK-Listen zeitweise hinter Anthropics eigener Dokumentation zurückliegen.
Haiku 5.5 vs. Haiku 4.5
| Kategorie | Haiku 4.5 | Haiku 5.5 |
|---|---|---|
| Kontext | 200K | 1M |
| Max. Output | 64K | 128K |
| Thinking | Extended | Adaptive |
| Inputpreis, kleine Prompts | $1/MTok | $0,10/MTok |
| Outputpreis, kleine Prompts | $5/MTok | $0,50/MTok |
| Cache Read | $0,10/MTok | ab $0,01/MTok |
| Schwerpunkt | schnelles kleines Claude | High-Volume, Routing, Subagents |
| Tokenizer | ältere Generation | neuer, ca. 30 % mehr Tokens für gleichen Text laut Anthropic |
Haiku 5.5 ist damit nicht einfach eine kleine Versionspflege. Anthropic verändert gleichzeitig Preisstruktur, Kontextfenster, Thinking-System, Tokenizer und Agent-Positionierung.
Wann Haiku 5.5 sinnvoll ist
Haiku eignet sich als erstes Modell für eng umrissene, häufig wiederkehrende Schritte: Daten aus Dokumenten extrahieren, Anfragen klassifizieren, Suchtreffer zusammenfassen oder eine begrenzte Teilaufgabe für einen Coding-Agenten bearbeiten. Für mehrstufiges, offenes Coding ist Sonnet oder Opus häufig die verlässlichere Ausgangswahl. Das entspricht auch Anthropics eigener Positionierung; die Launch-Benchmarks allein beweisen keine Überlegenheit in deinem Workflow. 1
Ein brauchbarer Routing-Test besteht aus einem festen Satz echter Aufgaben, nicht aus einer beliebigen Prompt-Sammlung. Schicke dieselben Fälle an Haiku 4.5, Haiku 5.5 und ein stärkeres Vergleichsmodell. Prüfe zuerst, ob das Ergebnis fachlich stimmt und dein erwartetes Format einhält. Miss danach Latenz, Input- und Output-Tokens, Cache-Treffer sowie Wiederholungs- und Eskalationsversuche.
Beispiel für eine Eskalationsregel: Haiku übernimmt die Extraktion in ein festes JSON-Schema. Schlägt die Validierung fehl, wird einmal mit korrigiertem Hinweis wiederholt; bleibt der Fehler, übernimmt Sonnet. So misst du nicht bloß den günstigeren Tokenpreis, sondern die Kosten pro akzeptiertem Ergebnis. Ab 100.000 Prompt-Tokens greift die höhere Haiku-5.5-Preisstufe. 4
Claude Max und Team: API-Guthaben richtig einsetzen
Laut Anthropics API-Guthaben-Regeln gelten seit Oktober 2026 monatliche Claude-Console-Credits: 100 USD für Max 5×, 200 USD für Max 20×, 20 USD je Team-Standard-Sitz und 100 USD je Team-Premium-Sitz, insgesamt maximal 500 USD pro Team und Monat. Claude Free, Pro und Enterprise sind für diese spezielle Gutschrift nicht berechtigt.
Aktivierung: Eine Claude-Console-Organisation über Settings → Billing (Max) oder Organization settings → Billing (Team) verbinden. Neue Abonnenten können den Bonus nach sieben Tagen beanspruchen; der Rollout kann zeitversetzt erfolgen. Ungenutzte Credits verfallen je Abrechnungszyklus und werden nicht übertragen.
Geltungsbereich: Claude API, Claude Managed Agents, Claude Agent SDK und Console Playground. Nicht für Claude Code, zusätzliche Claude-App-Nutzung, Bedrock, Google Cloud oder Drittanbieter-Router. Der Bonus ist keine Token-Flatrate. Offizielle Dokumentation
Urteil
Die kleine Haiku-Preisstufe ist für kurze Agentenaufrufe ungewöhnlich günstig. Der Preisvorteil schrumpft bei langen Prompts, neuem Tokenizer und notwendigen Wiederholungen. Wer das Modell produktiv einsetzen will, sollte deshalb zuerst eine fachlich bewertete Testmenge anlegen und anschließend pro erledigter Aufgabe abrechnen.